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ERÖFFNUNGSREDE

zur Ausstellung "BIOS_Spuren des Lebens“ / Rainer A. RIEPL

"20erhaus“ - 2017

 

OstR Mag. Roswitha MAYR

 

 

Lieber Rainer,  vorerst vielen Dank, dass ich heute Dich und Deine Bilder ein kleines Stück begleiten darf.

Sehr geehrte hier versammelte Kunstinteressierte, Freundinnen u. Freunde des Künstlers !

Das Thema dieser Ausstellung lautet „BIOS _ Spuren des LEBENS“. In der Ankündigung heißt es weiter, Rainer Riepl „erprobt in diesen Bildern, die Unmittelbarkeit der eigenen Lebendigkeit in grafische Strukturen zu übersetzen“.

Nun, die meisten, wenn nicht alle hier Versammelten werden mir zustimmen, dass seine Bilder zu uns unmittelbar sprechen. Sie  berühren uns, ehe unser bewusstes Ich nachdenken kann, was ES ist, das uns berührt und wie Es uns berührt. Insofern gelingt es Rainer Riepl tatsächlich, mittels seiner Bilder seine eigene Lebendigkeit zu uns auf vorbewusster Empfindungs- Ebene  „sprechen“ zu lassen.

Die Frage ist nun: Wie ist diese Kommunikation möglich und welche Botschaften werden vermittelt?

Jene, die Rainer Riepl besser kennen, werden mir sicher abermals zustimmen, dass er, wie es auch seine Biographie deutlich macht, sich immer wieder für Neues öffnet.  Aufbrüche, und seien sie auch anstrengend und herausfordernd, hat er nie gescheut hat, sofern dieses Ihn-zum-Aufbruch-Bewegende  ein von ihm in SICH selbst er-lebbarer Wert ist.

Trotz seiner vorerst wirtschaftlich orientierten Ausbildung stellte er  offensichtlich schon in jungen Jahren rationale Überlegungen und eine sich abzeichnende Karriere in der Wirtschaft nicht an die erste Stelle.  Denn er ließ sich von etwas leiten, das sich dem Zugriff des rein analytischen Denkens entzog.  Rainer Riepl brach 1970 zum Kunststudium nach Wien auf.

Von diesem Zeitpunkt an blieb er Künstler und seit seinem Rückzug aus dem Schulalltag ist er es hauptberuflich.  Trotzdem hat er aber nie die Auseinandersetzung mit der Realität, der Wirktatsächlichkeit,  dem Erdhaften  gescheut: in welcher Form auch immer -  sei es das Widerständige in den täglichen Anforderungen eines Schulalltags oder das der Materie beim Renovieren und Ausbau des Bauernhauses in Strass,  um nur einige Beispiele zu nennen.

Das heißt, er  hat offensichtlich wesentliche Parameter seines künstlerischen Schaffens auch immer authentisch gelebt! Das Wahrnehmen  von  und die Auseinandersetzung mit scheinbar Gegensätzlichem:  den Gesetzen der Materie, der Technik, dem Handwerklichen, dem Faktisch-Rationalen einerseits und dem Sich-Öffnen für die unsichtbaren LEBENS-Impulse, die zwar im Außen nicht sichtbar und berechenbar werden, aber deshalb für ihn nie weniger gewiss gewesen sind, weil sie erlebt werden können, und zwar in dem Ausmaß, in dem man sich dafür öffnet und auf sie einlässt.

Und für mich spiegelt sich in seinen Werken immer wieder beides: einerseits das innere Sich-Öffnen für die LEBENS-Bewegungen ins SICH selbst, die sich jeder bewussten Kontrolle entziehen  und andererseits sein großartiges künstlerisches Können als bewusstes Kommunikationsinstrument.

Aber dieses beherrscht er eben so gut, dass sein Können im Moment des künstlerischen Arbeitens, wie er auch selbst in Gesprächen immer wieder betont, an die zweite Stelle tritt und dem, was sich auf dem Malgrund zeigen will, dem, was aus einer inneren LEBENS-Bewegung herausfließt, nur dient.

Doch so leicht sich das sagen lässt, so anstrengend und immer wieder mühsam kann genau dies beim Durch- und Er-LEBEN sein.

Denn es sind meist anstrengende, spannungsgeladene Prozesse, die nicht nur schaffende Künstler, sondern wohl auch alle Lebendigen immer wieder erfahren, wenn sie eine innere LEBENS-Bewegung im dreidimensionalen Außen versuchen, in gelebtes Tun und Sein  umzuwandeln. Doch genau diese LEBENS-Prozesse sind nicht nur Rainer Riepls Thema, sondern werden von ihm selbst im Zuge seines künstlerischen Schaffens immer wieder neu durchlebt. Somit sind in jedem Werk, das Thema  und  der darin zu Papier oder Leinwand gebrachte  Prozess seiner Entstehung EINS, und zwar in dem Maße, wie es ihm gelingt, das In-SICH-unmittelbar-Empfundene in Formen, Farben und Strukturen einfließen zu lassen.

Daher dokumentieren seine Werke in ihrer zeitlichen Abfolge nicht nur eine  künstlerische Entwicklung, sondern auch einen inneren Werdegang.

In die hier ausgestellten Werke der Serien Bios und Fundstücke sind sowohl Themen als auch Gestaltungselemente der frühen Tuschzeichnungen und Schwingungsgrafiken sowie seiner großflächigen  Acrylbilder eingeflossen.

Sie sehen  hier an dieser Wand reine Grafitarbeiten, bei allen anderen Bildern verwendet Rainer Riepl allerdings eine sogenannte Mischtechnik, Grafit und aquarellartig verarbeitetes Acryl auf Papier.

Elemente seiner Schwingungs-Serie finden sich wieder in der Struktur und Linienführung, die manche an energetische Schwingungs- und Frequenzmuster der Quantenphysik ebenso wie an mikroorganische Zellstrukturen oder synaptische Verschaltungsmuster im Gehirn erinnern mögen.  Sie wirken alleine  schon aufgrund der dunklen Farbgebung und der intensiven Linienführung, die sowohl organisch fließend  als auch eher geometrisch, dreidimensional sein kann, markant und strukturgebend.

Während Elemente der Acrylbilder in dieser Mischtechnik in  sich gesteigerten Formen miteinzufließen scheinen, indem wir nun neben der kräftigen Grafitstrukturen auch durchsichtig-zarte, fast schwebende Farbflächen in Acryl vorfinden.

Grafit und aquarellartig vermaltes Acryl,  kräftiges, erdiges Schwarz und zarte Pastelltöne bewirken aufgrund ihrer Gegensätzlichkeit eine jeweils immer wieder eigene Spannung, die gesteigert und intensiviert wird durch die „Linienführung“:  Einerseits eher klare, fast geometrisch wirkende Linien oft in rechten Winkeln, mit dreidimensionalen räumlichen Einschlüssen in andererseits oft amorph anmutenden, pastellfarbigen, fast oszillierenden Flächen. Sie erinnern mich oft an ungeahnte aus Empfindungstiefen aufgestiegene Seelenlandschaften, die über Wahrnehmungsschwellen zu gleiten versuchen.

Oft fesseln sie unseren Blick, indem er vermeint in ihnen vertraute Landschaftsbilder zu erkennen. Doch je mehr wir uns auf Rainer Riepls Bilder einlassen, desto mehr müssen auch wir immer wieder vermeintlich vertrautes Sehen oder Erkennen revidieren.  Denn Rainer Riepl geht es nie um eine reine „Wiedergabe einer äußeren Wirklichkeit“, sondern um lebendige Prozesse, die sich aus spannungsgeladenem Gegensätzlichen immer wieder neu ergeben und die er somit auch immer wieder neu  mittels Formen, Farben und Strukturen zu übersetzen versucht.

Lassen wir uns ein auf seine Bilder, dann erfahren wir hinter der  vordergründigen Landschaft immer wieder  eine neu Perspektive, eine neue Dimension, hinter bedrückend wirkendem Erdig-Widerständigen ungeahnte  erhellende Lichtungen, die uns neue Horizonte erahnen lassen.

Horizontale und vertikale Gestaltungselemente, die wir in Rainer Riepls Werken  in sich ständig wandelnden Formen, Farben und Strukturen vorfinden und die uns immer wieder an unser menschliches Gekreuzt-Sein im scheinbar Gegensätzlichen erinnern, wirken nicht mehr bedrohlich und ermutigen zum Aushalten von Spannungen.  Denn in seinen Bildern wird immer wieder deutlich, dass scheinbar Unversöhnliches sich in der ehrlichen Auseinandersetzung  steigernd und befruchtend zu neuen verfeinerten und lebendigeren Formen finden darf.

Und genau DAS ist für mich in Rainer Riepls Werken immer wieder das so unaussprechlich Großartige, dass er dieses authentisch menschliche Ringen, SICH selbst treu zu sein und seine innersten Wahrheiten zu LEBEN, zu gestalten,  immer  wieder neu zum Thema seines Kunstschaffens macht und diesen dabei durchlebten Prozess, nämlich seine Lebendigkeit, in Formen, Farben und Strukturen übersetzt.

Und nun wünsche ich uns allen, dass Rainer Riepls Bilder uns  auch immer wieder neu inspirieren und er-mutigen, ebenfalls aufzubrechen …. in unsere eigene LEBENS-Steigerung!!!

DANKE für Ihre Aufmerksamkeit!